Humanismus

Eine humanistische Ausrichtung ist gekennzeichnet von Anerkennung und Respekt der Würde jedes einzelnen Menschen. Dazu gehört Toleranz gegenüber der Einzigartigkeit des anderen und seiner Meinung bei gleichzeitiger Wahrung der eigenen Einzigartigkeit und Meinung. Damit ist die gesunde Grenze der Toleranz dort gelegt, wo das Zugeständnis der Freiheit, Individualität und Meinung zur physischen oder/und psychischen/emotionalen Gewalteinwirkung auf andere Menschen führen würde.

Dem Menschen wohnt ein angeborenes Streben nach Selbsterfüllung inne, das sein einzigartiges Potential ins Leben bringen möchte.

Jeder Mensch soll die ihm grundsätzlich gegebene Freiheit ergreifen können und so Entscheidungen in Abstimmung mit seinem eigenen Gewissen treffen können, was den Einbezug der Welt inkludiert. Die dabei leitenden Werte sind Güte, Mitgefühl und Freundlichkeit.
Jeder einzelne Mensch wird in seinem Sein und mit seinen Interessen, Werten, Strebungen und Bedürfnissen wichtig genommen. Dabei wird nicht auf kritisches Denken und Hinterfragen politischer wie religiöser Autoritäten verzichtet. Der Humanismus ist kein konfliktscheues Kuschelkonstrukt, sondern setzt in seinem andauernden Ringen um die Erhaltung der Würde und Freiheit und dem ständigen Aktualisieren seiner Selbst auf konstruktiven Umgang und wohlwollende Zuwendung. Dazu gehört bei entsprechendem Anlaß ebenso die Fähigkeit des Sich-Abgrenzens, Distanzierens und das Konflikte-Austragen.

In einer von humanistischer Haltung geleiteten Begegnung ist der Blick auf das gerichtet, was die Person kann und weniger auf das was sie nicht kann. Der Mensch ist nun mal weit mehr als seine Störung, seine Fehlerhaftigkeit, er ist zuerst das, was er kann und schafft, und erst im weiteren auch das, was ihn behindert.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt einer humanistischen Mensch- und Weltsicht besteht darin den Menschen als ein Wesen zu begreifen, dass aktiv der Welt begegnen und sie begreifen möchte, sowie sich selbst aus eigenem Antrieb weiter entwickeln möchte. Das Streben nach Sinn im eigenen Leben ist ein menschliches Charakteristikum. Die Person ist von Anfang an zur Gänze da und strebt und sucht nach Verwirklichung seines Selbst, nach best- und größtmöglicher Entfaltung in Form von Persönlichkeit.


Existenzanalyse

Die Existenzanalyse ist eine phänomenologisch (es geht um das Verstehen des Menschen, seiner Aussagen und seines Verhaltens und nicht um Deutung) und dialogisch (die Person in Austausch mit der Welt zu bringen, indem man ihr dialogisch begegnet) vorgehende Psychotherapieform.

Das Ziel ist ein geistiges und emotionales freies Erleben, die Fähigkeit und Freiheit zu authentischen Stellungnahmen und der (altersadäquate) eigenverantwortliche Umgang mit sich selbst in und mit der Welt.

Ausgehend vom Streben des Menschen nach einem sinnvoll gestalteten eigenen Leben in Bezug zur Welt geht es in der Existenzanalyse um die Analyse der je individuellen Lebensbedingungen bzw. -umstände hinsichtlich lebenswerter Möglichkeiten für ein sinnerfülltes Leben.